Donnerstag, 2. März 2017

Runkel, Gertel, Hippe


Zugegeben: Was ein Gertel ist, hab’ ich nicht gewusst.
   Andererseits kennt nicht einmal die Wikipedia »meine« Runkel, nur Runkelstein und so weiter. Dann gibt’s noch eine Lindsey Runkel, eine Radsportlerin, die nach ihrem Unfall tapfer weiter Radsport macht. (Hier ihre ergreifende Geschichte, englisch.)
   Auf der Suche nach der Runkel kam ich auf die Beta vulgaris subsp. vulgaris var. crassa bzw. var. alba – diese Runkelrübe aber hatte ich nicht gemeint. Ich meinte die Krummhacke, die wir in Südtirol verwenden. Wir haben mehrere am Hof. Eine kleine für Damen und eine große für Herren (im Bild).
Eine Runkel im Wappen von Talheim bei Heilbronn
Wikipedia
   Sie besteht aus einem dicken Stück Flacheisen, oben ist die Klinge, gekrümmt und scharf, unten ist der Griff, aus dem Stahl rundgebogen für die Hand und deshalb innen hohl. In diese unten enger werdende Röhre steckt man einen Stecken und lässt ihn oben bei der Klinge etwas herausstehen. Das ergibt einen Haken, an dem man sich die Runkel an den Gürtel hängen kann (wenn man keine Angst hat, dass sie sich löst und einem womöglich ins Bein hackt …)
   Woher der Ausdruck Runkel kommt, den so nördlich vom Brenner (?)  vielleicht schon keiner mehr kennt? Es gibt ganz viele Ausdrücke für dieses Werkzeug, seit der Bronzezeit, siehe weiter unten; die Runkel lässt einen Südtiroler gleich an die italienische Roncola denken.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hippe_(Werkzeug)#Bezeichnungen:
   In Südbaden, im Elsass und in der Schweiz wird die Hippe in einer längeren Ausführung mit 40 cm eingesetzt und unter anderem als Säsli (Breisgau, Ortenau und mittlerer Schwarzwald) oder Gertel (Schweiz und angrenzendes Markgräflerland) bezeichnet. Alleine in Südbaden sind dreizehn Namen bekannt, so neben dem Gertel und dem Säsli örtliche Bezeichnungen wie Bäcksel, Dechsel, Schnäker, Riisäsli, Gertmesser oder Häpe. Im Schwäbischen ist auch die Bezeichnung Hoob gebräuchlich. In anderen Teilen Schwabens, so in der bayerischen Region Schwaben um Augsburg, wird die Hippe (Reisachmesser) auch als Schnaier bezeichnet, im Mindeltal in der Abwandlung Schnaiter.[

Aus http://www.brauchtumsfest-raich.de.
Die Wellen nutzte man im Backofen. Nicht Draht,
sondern Weideruten umbanden das Reisig.
Zum Binden brauchte man so nur eine Runkel.
»Alemannisch« https://als.wikipedia.org/wiki/Holzhippe Säsli, Stäckespitzer (Steckenspitzer) oder Gertel. (Der Stecken, die Stecken = der Stock, die Stöcke. Hier geht’s um Rebstöcke, nicht um Gehstöcke.) – Gertel wurden auch zum Binden von Wällen oder Wellen genutzt,
   Dort weiter Hoop, Hobe oder Häbe, Häple; Säßli, Holzhäppe(n), Sächsle, Säsl, Sesl und Waldsächsle

https://pfl.wikipedia.org/wiki/Sesl  Sesl


https://it.wikipedia.org/wiki/Roncola_(attrezzo)#Nomi_locali (Werkzeug, Bezeichnungen, it.): roncola oder ronca,
   altri nomi a livello regionale e locale sono brìtoea, ronchèta, fùlciòt, rampéla, mèla, ràsciòt, roncio, marassa, podèt, marraccio, folc, pennato, ronca, rangòn, podetô, ronconéla, stegagno, forsét, putatur, runcula, podai, kurlash. – Esiste una versione della roncola chiamata beidana introdotta nelle valli valdesi del Piemonte tra il 1200 e il 1500.

https://en.wikipedia.org/wiki/Billhook Billhook

Selbst das Grimmsche Wörterbuch kannte nur die Rübe oder die Hippe; in der Schweiz den Gertel. Nebenbei war das zum Anteil eines Bürgers am Gemeindewald geworden, wo er sich mit dem Gertel Holz holen durfte!

Schnarteln wie Schneitelung https://de.wikipedia.org/wiki/Schneitelung
   Ein Fachmann schreibt mir: ›Die Runkel wird im Sarntal auch Roggau(n) genannt. Mit diesem Werkzeug werden Äste ausgeputzt oder ein Dickicht abgeschlagen.
   Schnarteln kenne ich nicht. Klingt ähnlich wie Schnaiteln. Soweit ich weiß bedeutet das Zurückschneiden von Laubbäumen etwa in der Vegatationszeit zur Gewinnung von Futterreisig, oder im Winter für Flechtwerk. Auf vielen Höfen findet man heute noch alte Schnaitel-Eschen. Diese wurden zur Befestigung von steilen Hängen oder Wegböschungen gepflanzt. Durch den regelmäßigen Schnitt treibt der Baum lange Schosse mit großen Blättern, welche viel Wasser verdunsten und so den Boden im Wurzelbereich befestigen und trockenhalten. Michi Machatschek ist ein Experte auf diesem Gebiet. Du findest ihn im Internet.‹
   Auch bei uns wurden noch in den Fünfzigerjahren die Linden unter dem Weg zum Hof geschnartelt oder eben geschnaitelt. Das gab Streu für den Stall, meine ich.

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Dazu noch:

NZZ Ein Lob auf die Helvetismen
»Neulich will ich speditiv etwas Schüblig und Wirz für ein heimelig-urchiges Nachtessen besorgen. Ich schleppe mich, verletzungshalber hinkend, zum Kassier, strecke ihm etwelche Fünfliber hin. Doch wie ich das allfällige Retourgeld heische, wirft er mir rüffelnde Blicke zu, bis mir wind und weh wird.« – Und … weiter

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http://sarnerblog.blogspot.com/2017/03/runkel-gertel-hippe.html

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